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24. Januar 2007
Was haben Katzen in der Schule zu suchen?

Das schönste Klassenzimmer der Welt“ präsentierte sich auf dem 10. Deutschen Präventionstag des Niedersächsischen Kultusministeriums im Jahr 2005. Dieses Klassenzimmer hatte Feng Shui integriert. Im Gegensatz dazu ist mir kürzlich (Nov. 2006) folgende Schlagzeile in unserer Tageszeitung aufgefallen: „Geteilte Meinungen zur neuen Schule“. „Wohl noch nicht fertig?“ und „Ein bißchen Farbe könnte der (graue Sichtbeton) schon vertragen“ waren Aussagen von SchülerInnen einer neu gebauten Schule in einem Nachbarort.

Der Hintergrund für die Aussagen waren insbesondere der graue Sichtbeton im Forum und in den Fluren. Da mir das Unbehagen aus Feng-Shui-Sicht gut nachvollziehbar ist, habe ich nach weiteren Erklärungen gesucht. Das habe ich gefunden:

Mehrere anerkannte Studien belegen, dass Räume auf den Menschen wirken. An der Brandeis-Universität in Massachusetts wurde bereits 1955 die Wirkung von Räumen wissenschaftlich untersucht. Es gab drei Gruppen von StudentInnen. Eine Testgruppe arbeitete in einem behaglichen, eine in einem nüchternen und eine in einem verwahrlosten Raum. Die StudentInnen in dem behaglich eingerichteten Raum berichteten, dass sie sich wohlgefühlt hatten, energiegeladen waren und die Aufgaben gut bewältigen konnten. Die anderen klagten über Müdigkeit und Konzentrationsprobleme. Außerdem lag deren Qualität der Arbeit deutlich unter dem Niveau der ihrer MitprobandInnen aus dem behaglichen Arbeitszimmer.

Solche und ähnliche Studien beweisen, dass ein Zusammenhang zwischen der Gestaltung eines Schulgebäudes und der Lernqualität besteht. Dies wusste auch Horst Roselieb vom niedersächsischen Kultusministerium, Abteilung Prävention, der das Projekt „Feng Shui im Klassenzimmer“ an der Grundschule Rethen in Niedersachsen untersützte. Nach den Vorgaben eines Feng-Shui-Beraters wurde ein Klassenzimmer von den Eltern und LehrerInnen eigenhändig umgestaltet: Wandfarben und Tischanordnung wurden verändert, Gardinen und andere Accessoires ausgetauscht. 1 Jahr nach den Umsetzung zogen die Beschäftigten der Schule folgendes Fazit: die SchülerInnen dieser Klasse arbeiteten deutlich konzentrierter und effektiver, die Aggressionen hatten abgenommen. Sie waren motivierter und ausgeglichener, wodurch ruhigeres und entspannteres Arbeiten möglich war. Die SchülerInnen selbst bezeichneten ihr Klassenzimmer als gemütlich und als „das schönste Klassenzimmer der Welt“.

Der Erfolg des Projektes veranlasste das niedersächsische Kultusministeriums, in 10 weiteren Schulen Feng-Shui-Klassenzimmer einzurichten.

Dass die Anwendung von Feng Shui zu einer positive Verhaltensveränderung führt, und dies kein Einzel- oder Zufall ist, beweist die Schulsanierung in NRW: Eine Gesamtschule in Mönchengladbach hat mit Hilfe von Feng Shui ein neues Farbkonzept in den Fluren, im Lehrerzimmer und in den Klassenzimmern umgesetzt. Und wieder hatten LehrerInnen, Eltern und SchülerInnen bei der Umsetzung mitgeholfen. Auch an dieser Schule wurde beobachtet, dass im Gegensatz zu früher an den Wänden keine Kritzeleien mehr gegeben und die Sauberkeit in den Klassenzimmern und auf den Fluren deutlich zugenommen hatte. Das Arbeitsklima hatte sich verbessert.

Aus den Erfahrungen an den Schulen und Ergebnissen von wissenschaftlichen Untersuchungen lässt sich der Schluss ziehen, dass die Umgebung den Menschen beeinflusst. Warum das so ist beschreibt Feng Shui mit seinen Regeln. Es beschreibt, warum sich Menschen in ihrer Umgebung wohlfühlen. Es erklärt, welche Grundsätze bei der Gestaltung der Umwelt berücksichtigt werden sollen. Mit Hilfe von Feng Shui nimmt man die Umgebung bewusst wahr und gestaltet sie bewusst. Warum ist dieses bewusste Wahrnehmen so wichtig?

Der schweizer Tiefenpsychologe Carl Gustav Jung hat festgestellt, dass etwa 90 % dessen, was wir wahrnehmen, im Unbewussten verborgen bleibt und dieses unser Verhalten stark beeinflusst. Das Unbewusste registriert die Inhalte der Wahrnehmung, überprüft sie auf ihren Sinngehalt hin und löst entsprechende (körperliche) Reaktionen wie z. B. Flucht oder Abwehr aus. Das ist wissenschaftlich bewiesen!

Forscher an der Universität Nevada wollten wissen, was passiert, wenn sich 6-jährige SchülerInnen in verschieden gestalteten Räumen aufhalten. Eine Gruppe befand sich in einem hellblau gestrichenen Raum mit Tageslichtleuchten, die Vergleichsgruppe in einem weiß gestrichenen mit Neonröhren. Die wichtigsten Erkenntnisse: Die Kinder in dem hellblau gestrichenen Zimmer waren die Kinder aufmerksamer und ihr Blutdruck durchschnittlich 9 % niedriger als der der anderen Kinder.

Damit ist der Nachweis erbracht, dass unser Unbewusstes in Bruchteilen von Sekunden die Umgebung wahrnimmt und darüber entscheidet, wie sie auf uns wirkt und welche Reaktion ansteht, ob Entspannung oder Abwehr. Atem, Puls, Herzfrequenz, Gehirnströme, Blutdruck und Hauttemperatur passen sich sofort an die Situation an. Wird die Umgebung (unbewusst) als unangenehm (und unbewusst als bedrohlich) wahrgenommen, erzeugt dies Stress. Stress zieht körperliche Reaktionen nach sich, die einen Teil der Konzentration für das vermeintlich notwendige Verhalten von z. B. Flucht oder Abwehr abziehen und dem Lernen nicht mehr zur Verfügung stehen.

Nun könnte man meinen, grauer Sichtbeton im Forum und in den Fluren sei an sich nicht gefährlich. Warum wird die viele graue Farbe aber als stressig interpretiert? Einerseits lässt es sich mit Hilfe der Farbpsychologie erklären: Grau gilt als die Farbe trüber Gefühle, der Sorgen („grauer Alltag“) und drückt sich in Worten wie „grau“sam aus. Grau ist auch die Farbe des Ungenießbaren. Denken Sie an Schimmel auf Lebensmitteln oder fällt Ihnen eine graue, appetitanregende Speise ein? Ich bin gespannt auf Ihre Ideen. Mit Grau wird also in der Mehrzahl Unbehagen assoziiert.

Andererseits erfüllt grauer Sichtbeton zwar das Kriterium der Moderne und Funktionalität, weil pflegeleicht, aber er wirkt auch kühl, distanziert, strahlt keine Behaglichkeit aus. Fehlende Behaglichkeit löst entsprechende körperliche Stress-Reaktionen aus. Nun geht es im Feng Shui nicht ausschließlich um Gemütlichkeit, sondern vor allem darum, bewusst und unbewusst wirkende Stressfaktoren in der Umgebung weitgehend auszuschalten, so dass man sich in seiner Umgebung wohlfühlt und sich voll und ganz auf die eigentliche Tätigkeit (egal ob entspannen oder lernen / arbeiten) konzentrieren kann.

Warum wird aus Sicht des Feng Shui das viele Grau (das in unserem Schul-Beispiel noch mit Granitkacheln ergänzt ist) als Stressfaktor wahrgenommen? Einfach gesagt: Weil es zu viel ist! Es herrscht eine einseitige Dominanz des einen Elements „grau“ vor, was zu einem Ungleichgewicht in der Umgebung führt. Dieses Ungleichgewicht kann (unbewusst) abweisend oder bedrängend wirken. Man kann es sich vergleichsweise auch so vorstellen: ein sanft dahinfließender Fluss entspannt, eine Überschwemmung hingegen stresst die Menschen. Das Zuviel des Elements Wasser ist also ein Ungleichgewicht in der Umgebung.

Mit Feng Shui versucht man ein Gleichgewicht der Elemente herzustellen. So wie das Wasser in dem Fluss nicht zu viel oder zu wenig sein soll, sollte die Farbe grau maßvoll eingesetzt werden, damit die Schule zu einem Ort wird, an dem man sich
wohlfühlt. Denn die Lösung, die der Architekt Günther Behnisch vorschlägt: „Wenn jemand Gemütlichkeit haben will, soll er sich eine Katze anschaffen.“ erscheint mir in der Schule doch schwierig umzusetzen.

Schon lange haben Forscher herausgefunden, dass die Umgebung auf den Menschen wirkt. Wie die Studien und die Erfahrungen überzeugend belegen, kann es deshalb sinnvoll sein, der Umgebung mehr Beachtung zu schenken. Denn mit dem Wohlfühlen stellt sich mehr Lebensfreude ein, mit der Lebensfreude mehr Energie und Leistungsfähigkeit!

Puuh, das war jetzt viel. Und weil der Zeitungsartikel noch weitere interessante Aspekte enthält, folgt später eine Fortsetzung!